Preisträgerkonzert Deutscher Musikrat
Bernstein Trio
Roman Tulchynsky – Violine,
Marei Schibilsky – Violoncello,
Julia Stephan – Klavier
- Klaviertrios von Dmitri Schostakowitsch,
- Richard Strauss,
- Kelly-Marie Murphy,
- Johannes Brahms/Felix Mendelssohn Bartholdy
Kelly-Marie Murphy (*1964)
Give me phoenix wings to fly (1997)
1. (Feuer) – 2. (Blinde Zerstörung) – 3. (Wiederaufbau)
Richard Strauss (1864-1949)
Aus: 4 Lieder op. 27
No. 4 „Morgen!“ (1894) (Bearb. für Klaviertrio vom Bernstein Trio)
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
Klaviertrio Nr. 1 c-Moll op. 8 (1923)
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49
1. Molto allegro ed agitato – 2. Andante con moto tranquillo – 3. Scherzo. Leggiero e vivace – 4. Finale. Allegro assai appassionato
Foto: c Clara Evens
Unser Konzert beginnt mit Kelly-Marie Murphys „Give me phoenix Wings to Fly“, das auf packende Weise den feurigen Höhenflug des magischen Vogels, dessen Verglühen und Wiederaufschwingen in die Lüfte des Lebens vertont. Die Bilder des Glückszustandes, des unvermeidlichen Zugrundegehens und der Hoffnung auf Wiederkehr klingen auch im Klaviertrio Nr. 1 von Dmitri Schostakowitsch an, das durch seinen ständigen Stimmungswechsel zwischen kantablem Sog und hastigem Wahn in Atem hält. Eine fesselnde emotionale Reise durch endlos singende, Erstickte oder in Schockstarre verharrende Klänge lässt kaum Zeit zum Luftholen. Als Ruhe stiftende Atempause zwischen beiden Werken erklingt das Lied „Morgen!“ von Richard Strauss, das mit dem Zuversichtsgedanken einer stets wiedererscheinenden Sonne an die ewige Auferstehung des Phönix anknüpft.
Im zweiten Teil des Konzertes soll ein absolutes Monumentalwerk der Kammermusikliteratur erklingen: Felix Mendelssohn Bartholdy ließ mit seinem ersten Klaviertrio vergleichsweise lange auf sich warten. Zwar beschloss er schon mit 21 Jahren, sich der Klavier-Kammermusik zuzuwenden, unser Klaviertrio in d-Moll entstand jedoch erst neun Jahre später (1839). Während es sich bei der Uraufführung im Leipziger Gewandhaus (mit Mendelssohn höchst selbst am Klavier) größter Beliebtheit erfreute, fand es im Ausland – als zu anspruchsvoll und „zu gelehrt“ – zunächst keinen guten Anklang. Robert Schumann dagegen vergleicht das Trio in einer jubelnden Rezension in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ mit den großen Trios Beethovens und sieht, genau wie wir, Mendelssohns Klaviertrio Nr. 1 Sowohl als „Meistertrio der Gegenwart“, als auch als wegweisende Verknüpfung der Klassik mit romantischer Kammermusik.
Im d-Moll-Trio verbindet der noch immer sehr junge Mendelssohn formale Klarheit mit einem reichen, ausdrucksvollen Klangbild und zeigt sein feines Gespür für melodische Linien und klangliche Balance. Der energiegeladene erste Satz entfaltet ein Feuerwerk aus sprudelnden Arpeggien und intensiv leidenschaftlichen Themen, die in einem dramatischen Dialog verschmelzen. Das Andante bringt mit seiner kantablen, schnell liedhaften Schlichtheit einen Moment der Ruhe, bevor das Scherzo mit federnder Leichtigkeit und feingliedriger Stimmführung einen Sommernachtstraum durch den Konzertsaal wehen lässt. Im Finale verdichten sich die Motive zu einem endlich jubelnden Schluss, der Spannung und Auflösung geschickt verwebt. Mit seiner Dramaturgie und expressive Dichte bildet Mendelssohns Trio einen strahlenden Höhepunkt des Programms – Musik, die gleichzeitig zwingend und frei, klar und voller Intensität ist und die Zuhörenden mit ihrer unaufhaltsamen Bewegung mitreißt.
